PRESSE
Jagdszenen am Schloss
 

06.06.06

Dortmunder Hooligans setzen trotz starker Polizeipräsenz üblen Schlusspunkt unter eine schöne Saison. Westfalia trotzt dem Meister nach rassigem Spiel ein verdientes 1:1 ab. Makarchuk gleicht in letzter Minute aus.

Die Dummheit stirbt nicht aus. Fünf Tage, bevor die Welt zu Gast bei Freunden sein soll, waren es ganz und gar keine Freunde, die zu Gast waren am Schloss Strünkede. Eine wilde Horde Dortmunder Hooligans, teils Glatzen in schwarzen Bomberjacken, teils pickelgesichtige Milchbubis, setzte den üblen Schlusspunkt unter eine für beide Vereine so schöne und erfolgreiche Saison. Sie traten ein Trenngitter nieder, zerlegten einen Bierstand, stürmten das Spielfeld und rissen Fahnen und Transparente von den Zäunen - und das unter den Augen starker Polizeikräfte. Die spürten zwar lange vorher, dass sich Unheilvolles zusammenbraute, konnten mit ihrer Strategie, einer Mischung aus Deeskalation und Einschüchterung, gegen die offenbar gut organisierten Schlägertrupps aber wenig ausrichten. Schade, jammerschade. Ein Fußballfest war verdorben.

Zuvor ging es auf dem Rasen auch sportlich richtig zur Sache. Obwohl beide Teams ihr Saisonziel lange erreicht hatten, schenkten sie sich nichts und lieferten sich ein packendes, höchst attraktives Spiel. Eine Stunde lang demonstrierte der Meister, warum er die Liga so klar beherrscht hat. Auch ohne künftige Stars wie Kruska, Sahin, Caliskan und Gambino hatte Theo Schneider elf erstklassige Fußballer auf dem Platz. Technisch versiert und taktisch gut ausgebildet, ließen die jungen Borussen den Ball wunderbar laufen. Allzu viel Wirkung erzielten die Gäste aber nicht, weil die Herner leidenschaftlich dagegenhielten und engagiert in die Zweikämpfe gingen. Das 0:1 resultierte dann auch aus einer Standardsituation. Olli Bautz klebte bei Solgas Freistoß auf der Linie, so dass Steegmann aus kurzer Distanz einnicken konnte. Kurz vor der Pause machte Bautz seinen Fehler wieder wett, als er Steegmanns Direktabnahme reaktionsschnell zur Ecke abwehrte. In der 70. Minute zwang Pollok den SCW-Keeper zu einer weiteren Glanzparade.

Damit hatten die Gäste ihr Pulver verschossen. Die letzten 20 Minuten gehörten eindeutig dem SCW, der auch zuvor schon die eine oder andere Gelegenheit ausgelassen hatte. Mit Köse und Makarchuk kam noch einmal frischer Wind, die Chancen häuften sich. Zweimal tankte sich Michael Erzen durch, der von Kosi Saka vor der Pause oft in die Rolle des Linksverteidigers gedrängt worden war. Doch einmal lenkte Samulewicz seinen Schuss zur Ecke (74.), beim zweiten Mal flankte Erzen auf Sami El-Nounou, dessen Kopfball wurde jedoch von der Linie geschlagen (81.).

"Da lag das 1:1 schon in der Luft", meinte auch Gästetrainer Theo Schneider. Es fiel schließlich Sekunden vor dem Abpfiff. André Dohm hatte im Mittelfeld den Ball erobert undf blitzschnell in die Gasse zu Mykola Makarchuk gespielt, der Torwart Samulewicz austanzte und einnetzte.

Dies wäre ein schöner, ein passender Schlusspunkt gewesen. Doch leider bleib es nicht dabei.


Tore: Steegmann (13.), Makarchuk (90.)

SCW: Bautz - Neumann, Seidel, Wienroth - Sürgit, Tahiri, Terzic, Barton, Cetera - Erzen, El-Nounou

BVB II: Samulewicz - Saka, Großkreutz, Neumeister, Kohlmann - Parensen (60. Marc Heitmeier), Seggewiß, Akgün, Solga (60. Hillenbrand) - Pollok, Steegmann

Gelbe Karten: Neumann, Sürgit - Großkreutz, Kohlmann, Pollok

SR: Torsten Günter (Bergheim)

Zuschauer: 1050

06.06.2006, von Wolfgang Volmer
 

Quelle: WAZ Herne

 

 

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