PRESSE
Bestrafte Überheblichkeit
 

06.04.06

Gäste aus Schermbeck nutzen arroganten Westfalia-Auftritt zu drei Treffern in acht Minuten. Aufholjagd der zweiten Hälfte bringt durch Sami El-Nounou nur noch zwei Tore. Schulz geht volles Risiko.

Einsatzbereitschaft, Bissigkeit, Teamgeist: das sind die Herner Tugenden, wie es auch Frank Schulz immer wieder predigt. Seit gestern wissen seine Spieler, dass ihr Trainer Recht hat. Was passiert, wenn die Westfalia ihre Stärken in der Kabine lässt und meint, einen Gegner mal eben so an die Wand spielen zu können, zeigte der mit letztem Aufgebot angetretene Abstiegskandidat aus Schermbeck in brutaler Schonungslosigkeit auf. Hellwach und gewillt, jede Schwäche auszunutzen, legte die Elf von Martin Stroetzel den schläfrigen Platzherren binnen acht Minuten drei faule Ostereier ins Nest. Kaul, Ojigwe, schließlich Seyer - dreimal machte es Bumm, und nach 24 Minuten hieß es 0:3. Und es hätte nicht viel gefehlt, die verdutzten Herner hätten sich noch vor der Pause zwei weitere Dinger eingefangen.

In der Kabine machte es dann noch mal Bumm. Aber richtig. "Da haben die Wände gewackelt", berichteten Ohrenzeugen, die auch aus größerer Entfernung das Gewitter vernahmen. Das Schulz´sche Donnerwetter zeigte Wirkung. Zur zweiten Halbzeit kamen zwar dieselben elf Leute, aber eine völlig neue Elf auf den Platz. Die Samtfüßchen blieben in der Kabine, jetzt ging´s richtig zur Sache, und die Schermbecker wurden in ihrer Hälfte festgenagelt. Der Erfolg stellte sich schnell ein. Als Mark Greine, der genauso wie die in Herne ebenfalls noch bestens bekannten Christian Röder und Dirk Cholewinski eine starke Vorstellung bot, einen leichtsinnigen Rückpass spielte, hielt Nawatzki den zum Ball laufenden Michael Erzen fest. Nur wenige hatten es gesehen, unter ihnen auch Schiedsrichter Athanassiadis. Dessen folgerichtige, aus Schermbecker Sicht etwas humorlose Entscheidung: Elfmeter und Rot gegen den Übeltäter (54.).

Sami El-Nounou, der sich mit dem langen Zepanski verbissene Duelle lieferte, verwandelte und legte neun Minuten später noch mal nach, als er den Fuß in Sven Bartons Schuss hielt. Es hieß 2:3, die Fans standen auf den Bänken, die Aufholjagd war eröffnet. Frank Schulz ging volles Risiko, wechselte nach dem ausnahmsweise mal indisponierten Charly Neumann mit Ümit Celik einen weiteren Abwehrspieler aus und brachte alles an Offensivkraft, was ihm zur Verfügung stand. Doch es reichte nicht. Die Gäste lieferten eine leidenschaftliche Abwehrschlacht, droschen die Bälle raus, und den Hernern fehlten der Platz und am Ende auch die Ideen, dieses Bollwerk zu knacken. "Es ist ewig her, dass wir mal so eine schlechte Halbzeit abgeliefert haben", kündigte Schulz noch eine weitere Nachbetrachtung des überheblichen Auftritts an.

SC Westfalia Herne SV Schermbeck 2:3

Tore: 0:1 (16.) Kaul, 0:2 (20.) Ojigwe, 0:3 (24.) Seyer, 1:2 (54.) El-Nounou (Foulelfmeter, Nawatzki an Erzen), 2:3 (63.) El-Nounou.

SCW: Bautz - Neumann (55. Terzic) - Seidel, Celik (76. Yeboah) - Barton, Köse, Sürgit, Makarchuk (37. Erzen), Tahiri - Cetera, El-Nounou.

SVS: Schröder - Röder - Hahn, Zepanski, Nawatzki - Seyer, Cholewinski, Dondorf (90. Bayraktar), Greine - Ojigwe (70. Barke, 90.+2 Georgiev), Kaul.

SR: Nico Athanassiadis (Frechen).

Zuschauer: 427.

Rote Karte: Nawatzki (SVS, 54.).


05.04.2006 Von Wolfgang Volmer
 

Quelle: WAZ Herne

 

 

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