PRESSE
Not gewinnt gegen Elend
 

20.02.06

Eigentlich hätten sie richtig Bock auf den Ball haben müssen, die Oberligakicker des SC Westfalia. Wochenlang hatten sie für den Ernstfall geübt, zweimal waren die Spiele ins Wasser gefallen. Und jetzt lud sie ein kurz geschorener, bestens präparierter Rasen ein, Fußball zu spielen. Doch das versuchten die Herner gar nicht erst. Statt zu spielen, verlegten sie sich gleich aufs Pöhlen - und gingen damit einem Gegner auf den Leim, der zwar gut organisiert und kampfeslustig, fußballerisch aber arg limitiert war. Die Quittung war eine überflüssige 0:1-Pleite, durch die der abstiegsbedrohte Gastgeber bis auf fünf Punkte zum SCW aufschloss. Ärgerlich. Und gefährlich.

Eines wurde gestern mal wieder klar: Der Wert eines Hasan Sürgit für das Herner Spiel wird am deutlichsten, wenn er nicht dabei ist. Die Mannschaft saß schon im Bus, als des Trainers Handy klingelte. Sürgit, der am Samstag geheiratet hatte, meldete sich ab. "Er selbst oder seine Frau mussten kurzfristig ins Krankenhaus. Genau habe ich das nicht verstanden", berichtete Frank Schulz. Er ersetzte seinen Dauerläufer durch Sebastian Kohl, der sich im Training aufgedrängt hatte - und ärgerte sich schon bald. Nicht etwa, weil Kohl enttäuschte, sondern weil sein direkter Gegenspieler Reitemeier sehr defensiv agierte. Eine halbe Stunde sah sich Schulz das an, dann schickte er Andre? Dohm zum Aufwärmen und in der 40. Minute auf den Platz. Bis dahin hatte der SCW wenig gezeigt, aber immerhin zwei dicke Chancen durch Sami El-Nounou erarbeitet. Zunächst scheiterte der Torjäger freistehend an Towart Bergenthal (19.), dann verfehlte seinKopfball nach Makarchuks Ecke knapp das Ziel (32.) Mit Dohm am Regiepult wollte der SCW nun das Regiment übernehmen. Ein frommer Wunsch. Denn der Routinuer tauchte völlig ab und fiel nur durch missglückte Freistöße auf. Weil zur Pause auch Makarchuk angeschlagen in der Kabine blieb und der eingewechselte Dino Degenhard nie Bindung fand, hing das Spiel danach völlig durch. Eine typische Nullnummer.

Wenn die 56. Minute nicht gewesen wäre. Da schlug Reitemeier einen Freistoß in den Herner Strafraum, viele, viele Beine stocherten, und irgendwann lag die Kugel im Netz. Janis Theermann ließ sich als Torschütze feiern.

Damit hatte Fichte seine Schuldigkeit getan und zog sich vollends zurück. "Unsere Zuschauer müssen sich an 1:0-Siege gewöhnen", tönte VfB-Trainer Sven Moning später. Seine Vollmundigkeit konnte er sich leisten, weil den Hernern im Mittelfeld nichts Gescheites einfiel und sich auch die Stürmer nicht entscheidend durchsetzen konnten. Einzig Sven Barton mühte sich, das Bollwerk durch seine Sololäufe aufzureißen. "Das war zu wenig", zeigte sich auch Frank Schulz enttäuscht. "Wir sind ohne jede Torchance angerannt. Vom Leistungsvermögen her hätten wir nicht verlieren müssen." Stimmt.

Das Pokalspiel beim VfL Bochum II findet bereits am Samstag um 14 Uhr statt.

VfB Fichte Bielefeld SC Westfalia Herne 1:0 Tore: 1:0 (56.) Theermann.

VfB Fichte: Bergenthal - Block, Aydin, Rasic - Theermann, Gliniars (59. Meier), Reitemeier, Warnow, Wiens (65. Oezdemir) - Smith (46. Sawkill), Mainka.

SCW: Bautz - Neumann - Wienroth, Seidel - Terzic (84. Köse), Barton, Kohl (40. Dohm), Tahiri, Makarchuk (46. Degenhard) - El-Nounou, Erzen.

SR: Martin Wytelus (Hagen).

19.02.2006 Von Wolfgang Volmer
 

Quelle: WAZ Herne

 

 

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