PRESSE
Erlösung vom Punkt
 

06.03.06

El-Nounous Elfmetertor beschert Westfalia ersten Dreier seit Mitte Oktober. 90-minütige Schufterei auf tiefem Boden wird mit verdientem Arbeitssieg belohnt. Ahlener bleiben in der Offensive alles schuldig.

Sie haben gemacht und getan, gerackert und geackert. Nach anderthalbstündiger Schufterei konnten Westfalias Oberligafußballer erschöpft die Lohntüten aufreißen: Drinnen lagen drei Punkte. Wichtige Punkte, verdiente Punkte - Lohn für einen Arbeitssieg unter erschwerten Bedingungen.

Spielerischen Glanz der Marke Hacke Spitze einszweidrei konnte bei diesem tiefen Boden niemand erwarten. Gefragt war die einfache, die rustikale Art, Fußball zu spielen. Selbst Charly Neumann, 38 Jahre alt und mit allen Fußballwassern gewaschen, musste sich an den nur oberflächlich angetauten Rasen erst gewöhnen. "Ich hatte ´ne ganz schöne Streuung drin", bekannte der SCW-Kapitän.

Anfangs versuchte der Herner Libero, den Ball von hinten heraus zu spielen. Nachdem das mehrfach ins Auge gegangen war, wählte er die andere Variante. Fortan gab´s Langholz - und wo das Leder landete, war mehr oder weniger Glückssache.

Und weil Neumann mit diesen Problemen mitnichten alleine war, konnte sich auch kein gepflegtes Kombinationsspiel entwickeln. Stattdessen gab es etwas, was Gästetrainer Holtz treffend mit "Scharmützel im Mittelfeld" beschrieb. Eines aber konnten die SCW-Fans klar sehen: Ihre Jungs wollten, sie wollten unbedingt. Ob Erzen oder El-Nounou, Köse, Sürgit oder Barton - kein Meter war zu viel, jeder wusste, worauf es ankam.

Großartige Chancen aber gab es zunächst nicht. Auf der einen Seite verfehlte Sven Barton aus spitzem Winkel knapp das lange Eck (29.), auf der anderen traf Omerbegovic nach Kaminskis scharfer Freistoßhereingabe nur die Lattenoberkante (40.) - damit hatte es sich an erregenden Szenen bis zum Seitenwechsel.

Nach der Pause verschoben sich die Gewichte. Westfalia legte einen Zahn zu, verstärkte die Offensivbemühungen. Erzen wühlte, Makarchuk dribbelte, El-Nounou lauerte, Barton sprintete - Ahlen geriet zusehends unter Druck, erlaubte sich Fehler. So wie Kaminski, dessen missglückter Rückpass bei Sami El-Nounou landete. Doch so kaltblütig der Herner Torjäger gemeinhin ist, diesmal scheiterte er am herausstürzenden Torwart Völzow. Und raufte sich synchron mit Kaminski die Haare.

Hadern aber ist nicht. "Weiter, Jungs", feuerte Trainer Frank Schulz seine Truppe an. Und die gab Vollgas. Der unbändige Wille war unverkennbar, wie besonders die 74. Minute zeigte. Da wühlte sich Barton einmal mehr durch, Erzen tanzte auf engstem Raum im Sechzehner drei Gegner aus, traf aber nur das Außennetz. "West, West, Westfalia", kam es prompt von den Rängen. Die Fans standen wie eine Eins hinter ihrer Mannschaft.

Vier Minuten später endlich die Belohnung. Erzen kam an der Torauslinie zu Fall, Waldemar Stor, bis dahin völlig unverdächtig, ein Heimschiedsrichter zu sein, zeigte auf den Punkt, und Sami El-Nounou verwandelte. Dass Sürgit in der 81. Minute freistehend das 2:0 vergab, war wenig später vergessen. Drei Punkte waren erkämpft. Endlich.

SC Westfalia Herne - LR Ahlen II 1:0

Tore: 1:0 (78.) El-Nounou (11m).

SCW: Bautz - Neumann - Seidel, Wienroth - Barton, Köse, Sürgit, Tahiri, Makarchuk - El-Nounou, Erzen (90. Yeboah).

LR II: Völzow - B. Erzen, Djenic, Kraus, Kaminski - Colak, Venker (83. Jerszynski), Danismaz, Muwana (69. Grüterich) - Telenga, Omerbegovic (53. Karakas).

SR: Waldemar Stor (Herford).

Zuschauer: 450.

05.03.2006 Von Wolfgang Volmer
 

Quelle: WAZ Herne

 

 

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